Es ist kein Geheimnis, dass die Veränderungen in der Lebensweise der Weltzivilisation im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die neue Infektion alle Bereiche unseres Lebens ohne Ausnahme betroffen haben.
So versucht Österreich nun neben dem neu angekündigten Maskenpflicht, Anpassungen ans säkulare Leben vorzunehmen.
Zum ersten schlagenden Beispiel der Neuerungen ist die Erfahrung der Behörden in südöstlicher Stadt Österreichs Graz geworden. Dort wurde nämlich die Personenkontrolle, bzw. Identitätsfeststellung beim Kauf von Theater-, Oper-, Konzert oder andere Veranstaltungskarten eingeführt. Nun müssen die Besucher ihre Vor- und Nachnamen, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse angeben. In der Stadt kann man der Kultur teilhaftig werden, nur unter der Voraussetzung strenger Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus.
Letzte Woche veröffentlichte die Kontrolleinrichtung für die Organisation lokalen Kulturlebens neue Regeln, laut denen die Personenkontrolle «ausnahmslos alle Käufer von jeden Vorstellungskarten» betreffen soll.
Dabei werden zwei Varianten angeboten, falls eine Person mehrere Karten kaufen möchte. Auf solche Weise werden alle Karten entweder personalisiert oder auf den Namen des Käufers geschrieben, der jedoch verpflichtet ist, die personenbezogenen Daten anderer Besucher vorzulegen. Dazu gehöre auch eine konkrete Aufzeichnung darüber, wer letztlich welchen Sitzplatz in der Halle genommen habe, kündigen lokale Vertreter an.
Nach der Idee der Organisatoren, lassen solche Maßnahmen es ermöglichen, alle Besucher der Veranstaltung zu identifizieren, falls eine Infektionsverdacht entsteht. Diese Informationen können umgehend an die Behörden weitergegeben werden. Wenn jemand die Veranstaltung nicht besucht hat, müssen die Daten dennoch personalisiert werden. Bei einem Theaterbesuch muss man einen Personalausweis mitbringen. Man darf auch keine unbesetzten Sitzplätze nehmen. Derzeit wird die Umsetzung der Grazer Erfahrungen in ganz Österreich berücksichtigt.
Trotz der auf den ersten Blick außerordentlichen Versuche, neue Regelungen für die Interaktion mit der kulturellen Welt des Landes einzuführen, ist die Sehnsucht nach Kunst zu groß, und immer mehr Museen öffnen Ihre Türen wieder und begrüßen Kunstliebhaber. Die Wiener Museen- und Kunstlandschaft ist eine der vielfältigsten weltweit. Gerade in Krisenzeiten lässt uns die Kunst in andere Welten eintauchen. Obwohl das virtuelle Kunstangebot ziemlich groß ist, ersetzt es nicht den eigentlichen Besuch im Museum.
So haben viele führende Museen und Galerien die Eröffnung neuer Ausstellungen und die Rückkehr zum gewohnten Rhythmus der wegen der Pandemie abgesagten Veranstaltungen angekündigt.
Hier ist eine Liste von Ausstellungen, die Sie nicht verpassen sollten, auch wenn Sie die Meisterwerke unter Maskenpflicht-Bedingungen betrachten:
1. Van Gogh, Cézanne, Matisse. Die Sammlung Hahnloser. Albertina, Wien. 27.8.2020 - 15.11.2020
Von Cézanne bis Matisse und Van Gogh: von 27. August bis 15. November 2020 ist die Sammlung Hahnloser, eine der bedeutendsten Privatsammlungen der französischen Moderne, in der Albertina zu sehen.
Alles begann in der Villa Flora in der schweizerischen Stadt Winterthur. Als junges Paar bezogen Hedy und Arthur Hahnloser das Haus und richteten sich stilbewusst ein. Mit sicherem Gespür bauten sie auch ihre Kunstsammlung auf. Ihre Reisen führten Sie immer wieder nach Paris und in den Süden Frankreichs, wo Hedy und Arthur zahlreiche Galerien besuchten und zu Gästen von Ateliers und Häusern vieler berühmter Künstler wurden. Enge Beziehungen zwischen den schweizerischen Kunstliebhabern und ihren französischen Freunden führte zur Schaffung einer der umfassendsten und vielfältigsten Privatsammlungen der französischen Moderne in den Jahren von 1907 bis 1936.
Das Ehepaar Hahnloser gilt als echte Pioniere und Trendsetter in den Prozessen der Schaffung einer so großangelegten Sammlung. Sie legten den Grundstein für ihre Kunstsammlung von außergewöhnlicher Qualität, die aus fast 500 Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen bestand, und unter den Freunden der Hahnloser waren solche namhaften Persönlichkeiten wie Pierre Bonnard, Henri Matisse, Felix Vallotton und Ferdinand Hodler.
Hedy und Arthur Hahnloser haben ihr Leben dem Sammeln von Kunstwerken gewidmet. Und so hat sich die Villa Flora im Laufe der Jahre immer mehr zu einem echten Kunstwerk entwickelt. Für die Hahnloser war es wichtig, auch ihre Mitmenschen in ihre Leidenschaft einzubeziehen. Hedy und Arthur ermutigten ihre Verwandten und Freunde, die Werke ihrer Lieblingskünstler zu kaufen oder und selbst halfen diesen Künstlern durch Spenden an andere private Sammler oder Kunstmuseen, bekannt zu werden. Dabei entstand das sogenannte "Hahnloser-Prinzip", das die Schweizer Museumssammlungen und ihre Beschaffungspolitik enorm bereichert hat.
2. Die Ephrussis. Eine Zeitreise. Jüdisches Museum Wien. 6.11.2019 – 4.10.2020.
Die starke Verbindung der Familie Ephrussi mit Wien kann man in einer eigenen Ausstellung im Jüdischen Museum Wien spüren und sehen.
Sie war eine der wohl einflussreichsten Familien Europas. Der Bankiersclan Ephrussi zieht heute wie damals die Augen und das Interesse auf sich. Im aufstrebenden Wien des 19. Jahrhunderts fand die ursprünglich aus Russland stammende Familie ihr neues Zuhause. Ihre Ahnen kamen von Odessa nach Wien und bauten hier im Herzen des Kaiserreichs ihr Imperium weiter aus.
Noch heute zeugt das Palais Ephrussi am Universitätsring 14 vom großen Erfolg und Reichtum der Familie.
Konzipiert und erbaut wurde das Gründerzeit-Palais von niemand Geringerem als Theophil Hansen. Der Ringstraßen-Prachtbau war eine Mischung aus Palais und Zinshaus, denn über der obligatorischen Beletage wurden sogar eigene Mietwohnungen errichtet.
Das Unglück begann mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Enteignet, ins Exil vertrieben und mittellos wurden die Ephrussis Weltenbürger. Von Österreich nach Frankreich, Großbritannien, Spanien, USA, Mexiko oder sogar bis nach Japan führte sie ihr Weg. Ihre Familienmitglieder sind heutzutage über die ganz Welt verstreut. Nachfahre der Ephrussis Edmund de Waal, erzählte erstmals 2010 in seinem Bestseller "Der Hase mit den Bernsteinaugen" vom Aufstieg der Bankiersfamilie, ihrer Vertreibung durch die Nationalsozialisten und der Suche nach seinen eigenen Wurzeln.
Das Jüdische Museum Wien begibt sich heute gemeinsam mit Edmund de Waal und dem Ephrussi-Archiv auf Spurensuche und lässt die Exponate ihre eigene Geschichte über die Menschen erzählen, von denen sie gesammelt wurden. Als Herzstück der Ausstellung gilt dabei das Familienarchiv, das de Waal im Namen seiner Familie dem Jüdischen Museum 2018 schenkte. Darüber hinaus finden auch die 157 Netsukes, kleine japanische Schnitzereien aus Wurzelholz oder Elfenbein, die dem Museum als Leihgabe von der Familie zur Verfügung gestellt wurden, ihren Platz.
3. Hundertwasser-Schiele. Imagine Tomorrow. Leopold Museum. 21.2.2020 – 10.1.2021.
Maler, Gestalter von Lebensräumen und Vorkämpfer der Ökologiebewegung: Friedensreich Hundertwasser prägte die Kunst des 20. Jahrhunderts über die Grenzen Österreichs hinaus. Wenig bekannt ist seine lebenslange, intensive Beschäftigung mit dem Werk Egon Schieles. Zum ersten Mal stellt das Leopold Museum die Kunstwerke dieser beiden ikonischen Künstlern im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung dar.
„Die gerade Linie führt zum Untergang der Menschheit. Die Spirale ist das Symbol des Lebens und des Todes“, so Friedensreich Hundertwasser, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 20. Mal jährt. Inspiriert vom Stil der Wiener Secession zeichnet sich Hundertwassers Kunst durch organische Formen und prächtige Farben aus.
Seine Laufbahn startete der gebürtige Wiener 1948 als Außenseiter der Szene. An der Akademie der bildenden Künste hat es der damals 20-Jährige gerade einmal drei Monate ausgehalten. Er orientierte sich viel lieber im Selbststudium an der Kunst der Wiener Moderne. Vor allem Egon Schiele wurde in den darauf folgenden Jahren zu seiner zentralen Bezugsfigur.
Bis zu seinem Lebensende umgab sich Hundertwasser in seinen Wohn- und Arbeitsräumen in Venedig und Neuseeland mit Reproduktionen von Gemälden und Zeichnungen des von ihm so sehr geschätzten Künstlerkollegen.
Mit der mehr als 150 Exponate umfassenden, dialogisch angelegten Schau "Hundertwasser - Schiele. Imagine Tomorrow" stellt das Leopold Museum die künstlerische und geistige Verwandtschaft der beiden Meister nach, die einander zwar nie persönlich kennenlernen konnten und doch so viel verbindet.