Login

Passwort vergessen? Anmeldung
Aktuelle Nachrichten
Die Erinnerung ist stärker als die Zeit: An der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität wurde das Buch „Von Stalingrad nach Wien“ vorgestellt, das vom Forum „Sotschi-Dialog“ neu aufgelegt wurde.

Die Erinnerung ist stärker als die Zeit: An der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität wurde das Buch „Von Stalingrad nach Wien“ vorgestellt, das vom Forum „Sotschi-Dialog“ neu aufgelegt wurde.

Am 20. Februar 2026 fand in Moskau an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) die Präsentation der Neuauflage eines Kapitels aus dem einzigartigen Buch „Von Stalingrad nach Wien. Der Kampfweg der 4. Gardearmee“ statt. Die Veranstaltung, die vom österreichisch-russischen zivilgesellschaftlichen Forum „Sotschi-Dialog“ organisiert wurde, versammelte führende Vertretende aus Wissenschaft, Diplomatie und Politik.

Die der Öffentlichkeit vorgestellte Publikation hat einen besonderen historischen Wert. Das Werk „Von Stalingrad nach Wien“ erschien erstmals 1945. Ihre Autoren waren keine professionellen Historiker und keine Kriegsberichterstatter, sondern direkte Teilnehmer der heroischen Ereignisse – Offiziere der 4. Gardearmee: Gardemaior E.Manewitsch, Gardekapitän I.Benediktow und Gardeleutnant A.Terenoschkin. Sie durchliefen den gesamten Krieg von der Schlacht um Stalingrad bis zur Befreiung der österreichischen Hauptstadt, und ihre Zeugnisse sind die lebendige Stimme einer Epoche, ein Dokument ohne spätere ideologische Überlagerungen.

Im Jahr des 80. Jahrestags des Großen Sieges initiierte das Forum „Sotschi-Dialog“ die Neuauflage des Kapitels über die strategische Offensive in Wien. Das Buch erschien in drei Sprachen, was seine Bedeutung als Instrument des internationalen Dialogs und der gemeinsamen Erinnerung an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs unterstreicht. Zuvor fand am 13. April 2025 im Gebäude der Botschaft der Russischen Föderation in der Republik Österreich eine sehr erfolgreiche Präsentation der Publikation statt.

Die Veranstaltung wurde von Maria Matweewa eröffnet, Direktorin des österreichisch-russischen zivilgesellschaftlichen Forums „Sotschi-Dialog, die auch als Moderatorin auftrat. Maria Matweewa verlas die Begrüßungsrede von Andrej Fursenko, Berater des Präsidenten der Russischen Föderation und Co-Vorsitzender des Forums „Sotschi-Dialog“. Darin wurde die Bedeutung der Arbeit mit Primärquellen für das moderne humanistische Wissen hervorgehoben: „Möge diese Veröffentlichung, die heute in den Mauern der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität vorgestellt wird, zur weiteren Stärkung der Beziehungen zwischen Russland und Österreich beitragen. Möge sie ein weiterer Baustein im Fundament unserer gemeinsamen Zukunft sein, die auf Respekt vor der Vergangenheit und dem Streben nach Frieden aufgebaut ist.“

Andrej Loginow, Rektor der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität, richtete ein Grußwort an die Teilnehmenden. In seiner Rede bezeichnete er die Präsentation des Kapitels aus dem Buch als einen wichtigen Schritt zum Verständnis der gemeinsamen Geschichte Russlands und Österreichs: „Die Präsentation des Kapitels aus dem Buch „Von Stalingrad nach Wien” ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Befreiung der österreichischen Hauptstadt durch die Rote Armee nicht nur ein Kapitel der ausländischen Geschichte ist, sondern ein untrennbarer Teil der großen Heldentat des sowjetischen Volkes. Wir betrachten diese Erinnerung als eine lebendige Brücke zwischen unseren Ländern, als Fundament, auf dem das heutige gegenseitige Verständnis aufgebaut ist“, betonte Andrej Loginow.

Der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, Dmitrij Lubinskij, betonte die besondere Bedeutung der Neuauflage des Buches für die Bildung des historischen Bewusstseins der Jugend in Russland und Österreich: „Die Neuauflage eines Kapitels aus diesem Buch ist von großer Bedeutung für die Erziehung der Jugend in Russland und Österreich, denn gerade sie ist es, die die weitere Kommunikation zwischen unseren Ländern aufbauen wird.“

Der stellvertretende Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation, Konstantin Mogilewskij, erzählte in seiner Rede eine persönliche Geschichte: Sein Großvater kämpfte in den Reihen der Roten Armee, deren Kampfwege in dem vorgestellten Buch beschrieben werden. An die jungen Teilnehmer der Präsentation gewandt, sagte er: „Ich möchte mich an die junge Generation wenden und sagen, dass es manchmal sehr wichtig ist, dass Ihre Arbeit in einem konkreten Ergebnis Ihrer Arbeit zum Ausdruck kommt. Dieses Buch ist ein solches Beispiel.“

Der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften, Alexander Chubarjan, wies in seiner Rede auf konzeptionelle Veränderungen in der modernen Geschichtswissenschaft hin: „Im Wesentlichen widmen sich Bücher über den Großen Vaterländischen Krieg der Geschichte militärischer Operationen. Dennoch ist in der Geschichtswissenschaft und insbesondere in der Militärgeschichte eine deutliche Verschiebung hin zu einem anthropologischen Ansatz zu beobachten, der sich auf die Alltagsgeschichte bezieht. Das heute diskutierte Buch gehört dazu. Es handelt sich um eine Arbeit über Menschen und ihre Einstellung zum Krieg. Sie spiegelt neue Tendenzen in der Erforschung des Zweiten Weltkriegs wider.“

Andrej Sorokin, wissenschaftlicher Direktor des Russischen Staatsarchivs für Sozial- und Politikgeschichte, sprach seinerseits das Thema der österreichischen Neutralität an und betonte, dass solche wissenschaftlichen und pädagogischen Projekte eine wichtige Rolle für deren Verständnis spielen. Der neutrale Status Österreichs, der das Ergebnis komplexer internationaler Kompromisse von 1955 ist, kann ohne Bezug zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und zur Befreiungsmission der Roten Armee nicht richtig verstanden werden. Solche Veröffentlichungen wie das vorgestellte Kapitel geben diesem Status seine echte historische Dimension zurück und tragen zu einem tieferen Verständnis bei.

Die Rednerinnen und Redner waren sich einig, dass die Bedeutung der Operation Wien weit über einen militärischen Triumph hinausgeht. Die Befreiung der österreichischen Hauptstadt beschleunigte nicht nur die Kapitulation Nazi-Deutschlands, sondern legte auch den Grundstein für die spätere Wiedergeburt der unabhängigen Republik Österreich, deren Neutralität durch den Staatsvertrag von 1955 festgeschrieben wurde.

Die Veranstaltung an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität hat deutlich gezeigt, dass die Bewahrung der historischen Wahrheit heute keine museale Aufgabe ist, sondern ein lebendiger Prozess. Der Dialog zwischen Vertretenden des Staats, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft bestätigte: Das Interesse an authentischen Zeugnissen des Krieges ist ungebrochen, und die Erinnerung an die Heldentaten der sowjetischen Soldaten bleibt ein moralischer Orientierungspunkt für künftige Generationen.