Vom 8. bis 13. September öffnete die Burg Forchtenstein (Neumarkt, Österreich) ihre Türen für Teilnehmer des internationalen Jugendforums EYFON. Gäste aus der Schweiz, Rumänien, Österreich, Kroatien, Moldawien und Russland kamen zur Burg. Mit aktiver Unterstützung des Forums „Der Sotschi-Dialog“ hatten vier Studenten der Moskauer und Sankt Petersburger Universitäten die Gelegenheit, ihr Land vorzustellen und an einer Reihe von Vorlesungen, Seminaren und Diskussionen über die aktuelle europäische Politik und ihre wichtigsten Themen und Probleme teilzunehmen.
Das Ziel des internationalen Camps EYFON ist es, junge Menschen aus ganz Europa zusammenzubringen, die an einer Diskussion über eine Vielzahl von Themen interessiert sind: Wie wird Europa in 50 Jahren aussehen? Was würde in Europa passieren, wenn es keine EU gäbe? Was kann ich persönlich für die Zukunft Europas tun? Die Forumsteilnehmer hörten nicht nur den Vorträgen von führenden Experten europäischer Universitäten zu, sondern auch versuchten Antworten auf diese wichtigen Fragen zu finden, indem sie in Gruppen arbeiteten und sich gegenseitig die Ergebnisse ihrer Diskussionen vorstellten. An den Diskussionen nahmen Vertreter verschiedener Länder teil, von denen einige nicht einmal Teil der Europäischen Union sind. Daher wurden die unterschiedlichsten Meinungen geäußert, ob die Tätigkeit der EU sowohl für die teilnehmenden Länder, als auch für ganz Europa richtig und wirksam ist. Politik wurde aber nicht zum wichtigsten Einigungsfaktor für die Bewohner Europas: Erstens war es eine einzige Geschichte, eine gemeinsame Kultur. Eine anschauliche Bestätigung dafür war ein Vortrag über Migration, in dem die Geschichte, die Erfahrung vergangener Generationen der Ausgangspunkt für das Verständnis der Ursachen, des Verlaufs und der Folgen des heutigen Migrationsprozesses in Europa war.
Die Teilnehmer des Forums interessierten sich insbesondere für die Erörterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland. Das Land, darüber sich in der europäischen Bevölkerung eine Vielzahl von Stereotypen und Meinungen entwickelt hat, war schon immer ein wichtiger Partner für Europa. Jetzt sind die Beziehungen zwischen Russland und den europäischen Ländern jedoch mehrdeutig, und gerade unsere Generation wird bestimmen, wie diese Beziehungen in Zukunft aussehen werden. Das Forum „Der Sotschi-Dialog“, das erst im März dieses Jahres geschaffen wurde (am 12. März 2018 in Moskau unterzeichneten der russische Außenminister Sergei Lawrow und die österreichische Außenministerin Karin Kneissl eine Erklärung zur Schaffung des Forums), fördert aktiv die Entwicklung der russisch-österreichischen Beziehungen: Die Prioritäten des Forums sind Themen, die mit Wirtschaft, Kultur, Kunst, interuniversitärer Zusammenarbeit, Wissenschaft und Sport verbunden sind. Im Juni 2018 einigten sich die Präsidenten Russlands und Österreichs, Wladimir Putin und Alexander Van der Bellen, auf einen Beitrag zur Umsetzung der Pläne und Ideen des Sotschi-Dialogs. Die Präsidenten wiesen darauf hin, dass „Der Sotschi-Dialog“ die Hauptkommunikationsplattform zwischen Vertretern der Zivilgesellschaften Russlands und Österreichs ist – das internationale Camp EYFON selbst wurde zu einer Plattform für den Meinungsaustausch zwischen den Jugendlichen beider Länder.
Ein wichtiger Teil des Programms waren auch Aktivitäten, die an freier Kommunikation der Teilnehmer orientiert waren: Forumsgäste trieben Sport in einem Seilpark, machten einen Ausflug in die Nachbarstädte, antworteten auf die Fragen nach Struktur und Aufgaben der Europäischen Union, gingen abends spazieren und redeten miteinander.
„Das Forum EYFON ist eine einzigartige Gelegenheit für junge Teilnehmer aus europäischen Ländern, sich über wichtige Themen zu informieren und ihre Position in Bezug auf das Geschehen in der Welt kennenzulernen. Es ist interessant, Meinungen nicht nur über die Europäische Union, sondern auch über Russland zu hören“, berichtet Yulia Dyukareva, Studentin an der SPbPU, über ihre Eindrücke von der Teilnahme an EYFON. „Es war sehr angenehm zu verstehen, dass Russland positiv behandelt wird. Man will mit uns zusammenarbeiten, mit uns befreundet sein, unsere Kultur lernen und sogar die Sprache lernen! Tatsächlich ist es überraschend, dass man sich so für uns und unser Land interessiert“.
Das internationale Camp EYFON und das Forum „Der Sotschi-Dialog” sind sehr wichtige Projekte, die den Teilnehmern helfen, die Situation in Europa besser zu verstehen, Meinungen auszutauschen und direkte Kontakte untereinander herzustellen. Trotz der Schwierigkeiten der internationalen Politik sind Menschen aus europäischen Ländern an einer Kommunikation mit Russland interessiert – dieses Interesse, das ständig wächst und sich vertieft, wird in Zukunft zu einem Schlüsselfaktor für die Entwicklung unserer Beziehungen.
In dieser Woche in der Burg Forchtenstein habe ich zum ersten Mal an einem internationalen Jugendforum teilgenommen. Ich studiere am MGIMO. Über die Europäische Union und über die Einstellung der Europäer zu unserem Land habe ich nur in Lehrbüchern gelesen. Während Unterrichtsstunden habe ich über die persönliche Erfahrung von unseren Lehrern gehört. EYFON ist eine Chance, alles mit eigenen Augen zu sehen und mit Jugendlichen aus europäischen Ländern zu sprechen, die sich, ebenso wie ich, für Fragen der Politik, Wirtschaft und Kultur im Rahmen der internationalen Kommunikation interessieren.
Elena Timofeeva