Am 8. Oktober fand in der Botschaft der Russischen Föderation in Österreich die Präsentation der Monografie „Chroniken von Mauthausen: Aus den Erinnerungen sowjetischer Häftlinge“ statt. Die einzigartige Publikation macht das deutschsprachige Publikum erstmals mit den persönlichen Zeugnissen sowjetischer Bürger bekannt, die die Hölle des nationalsozialistischen Konzentrationslagers durchlebt haben. Das Erscheinen des Buches wurde durch die Zusammenarbeit der interregionalen gesellschaftlichen Organisation „Gesellschaft der ehemaligen russischen Mauthausen-Häftlinge“, der Botschaft der Russischen Föderation in der Republik Österreich und des österreichisch-russischen zivilgesellschaftlichen Forums „Sotschi-Dialog“ ermöglicht.
Das Konzentrationslager Mauthausen, das 1938 unweit von Linz errichtet wurde, ging als eines der grausamsten „Vernichtungszentren“ Nazideutschlands in die Geschichte ein. Während der Kriegsjahre durchliefen mehr als 200.000 Menschen seine Mauern und Außenlager, von denen über 30.000 Bürger der Sowjetunion waren. Der Granitsteinbruch, die „Todesstiege“, Hunger, medizinische Experimente und systematischer Terror – für Tausende Häftlinge wurde Mauthausen zu einem Ort unmenschlichen Leidens und geistiger Standhaftigkeit.
Lange Zeit blieben viele persönliche Zeugnisse sowjetischer Häftlinge der breiten europäischen Öffentlichkeit unzugänglich. In die Monografie wurden ausgewählte Kapitel aus den Erinnerungen von W. Osten, A. Soja und N. Zemkalo aufgenommen. Diese Texte sind nicht bloß historische Chroniken, sondern die Stimme von Menschen, die den Tod besiegt und ihre menschliche Würde unter den Bedingungen absoluten Bösen bewahrt haben.
Bei der Buchpräsentation wurde eine Grußbotschaft des Beraters des Präsidenten der Russischen Föderation und Ko-Vorsitzenden des österreichisch-russischen zivilgesellschaftlichen Forums „Sotschi-Dialog“, Andrei Fursenko, verlesen: „Heute, da wir mit beispiellosen Versuchen der Geschichtsverfälschung konfrontiert sind, wird dieses Buch, das erstmals in deutscher Sprache erscheint, zu einem verlässlichen dokumentarischen Schutzschild der historischen Wahrheit.“
Der Publikation liegen die Ergebnisse der Such- und Forschungsarbeit der „Gesellschaft der ehemaligen russischen Mauthausen-Häftlinge“ zugrunde, die unter der Leitung von Aleksej Konopatschenkow durchgeführt wurde. Die Organisation leistet seit vielen Jahren umfangreiche Gedenk- und Bildungsarbeit und bringt dabei Forschende, Veteranen und deren Nachkommen zusammen. Dank der Bemühungen der Gesellschaft werden vergessene Namen wiederhergestellt, Gedenkreisen organisiert und Archivdokumente veröffentlicht, die die historische Wahrheit bewahren.
In seinem Grußwort sprach der Botschafter Russlands in Österreich, Andrej Grosow, Aleksej Konopatschenkow seine tiefe Anerkennung für die langjährige Forschungsarbeit aus und hob zudem die Schlüsselrolle des „Sotschi-Dialogs“ bei der Umsetzung dieses bedeutenden internationalen Projekts hervor.
In seiner Rede betonte der Diplomat die außerordentliche Bedeutung des Buches als wertvolles historisches Werk, das das Bild der Tragödie durch die persönlichen Erfahrungen der Augenzeugen nachzeichnet, und stellte fest, dass für derartige Verbrechen keine Verjährung gelten könne. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Tatsache gewidmet, dass das Andenken an die Lagerhäftlinge für Russland heilig bleibt. In diesem Zusammenhang wurde die konsequente Haltung der Russischen Föderation zum Schutz der historischen Wahrheit und zur entschiedenen Abwehr jeglicher Versuche der Geschichtsrevision oder der Rechtfertigung der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes hervorgehoben.
Die Herausgabe der Monografie wurde zu einem eindrucksvollen Beispiel für die wirksame Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Kunst. An der Präsentation nahmen das Mitglied des Österreichischen Mauthausen-Komitees, Professor Wolfgang Bandion, sowie der Künstler Pjotr Grigorjew teil, dessen grafische Illustrationen in die Publikation aufgenommen wurden und die Atmosphäre der Erinnerungen der Häftlinge mit großer Eindringlichkeit vermittelten (der Autor richtete eine Videobotschaft an die Gäste). Zum Abschluss des Abends erhielten alle Teilnehmenden und Gäste der Präsentation Erinnerungsexemplare des Buches.
Die deutschsprachige Ausgabe der „Chroniken von Mauthausen“ ist nicht nur eine Hommage an die Verstorbenen und Überlebenden, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Stärkung des humanitären und historischen Dialogs, der daran erinnert, wie wichtig es ist, das gemeinsame Gedächtnis zu bewahren, um derartige Tragödien in der Zukunft zu verhindern.