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Runder Tisch an der RGGU anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Moskauer Memorandums

Runder Tisch an der RGGU anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Moskauer Memorandums

Am 15. April gedachten Russland und Österreich eines bedeutenden Ereignisses – des 70. Jahrestages der Unterzeichnung des Moskauer Memorandums, das den Weg zur österreichischen Unabhängigkeit ebnete und die Politik der immerwährenden Neutralität Österreichs festigte.

Aus diesem Anlass fand an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) ein Runder Tisch statt, der Historiker und Vertreter zivilgesellschaftlicher Kreise aus Russland und Österreich zusammenbrachte. Gemeinsam diskutierten sie den Einfluss dieses Dokuments auf die Gestaltung der Nachkriegsordnung in Europa sowie seine Relevanz für die aktuellen Herausforderungen der russisch-österreichischen Zusammenarbeit.

Zur Eröffnung der Veranstaltung betonte der Rektor der RGGU, Andrei Loginow, dass die Traditionen der Erforschung von Geschichte, Kultur, Sprache, Kunst, Politik und Wirtschaft der Länder Mittel- und Osteuropas an der Universität nicht unterbrochen wurden und auch künftig fortbestehen werden.

Als Ehrengast begrüßte der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation und Ko-Vorsitzende des Koordinierungskomitees des österreichisch-russischen zivilgesellschaftlichen Forums „Sotschi-Dialog“, Andrei Fursenko, die Teilnehmer und wünschte ihnen eine erfolgreiche Arbeit. Er dankte den österreichischen und russischen Partnern dafür, dass sie in schwierigen Zeiten den Dialog aufrechterhalten und nicht nur zuhören, sondern einander auch wirklich verstehen. Mit Blick auf den historischen Aspekt der Begegnung sagte Fursenko: „Österreich spielte eine entscheidende Rolle bei der Wiederbelebung der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den USA sowie beim Erhalt normaler Beziehungen in Europa.“

Von österreichischer Seite nahmen unter anderem Gerald Sakuler, Vorsitzender des österreichischen Wirtschaftsklubs in Russland, sowie der Filmproduzent Thomas Ebner teil. Sakuler betonte: „Wir befinden uns wirklich in einem historischen Moment – 70 Jahre seit der Unterzeichnung des Moskauer Memorandums, 80 Jahre seit dem Ende des Krieges und am 15. Mai jährt sich zum 70. Mal die Unterzeichnung des Staatsvertrags zur Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreichs. Diese bedeutenden Daten geben uns die Möglichkeit, den zurückgelegten Weg im Lichte zentraler historischer Vereinbarungen zu betrachten... und heute sind wir bereit, diese verbindende Brücke zu erhalten – unser Treffen ist zweifellos ein guter Anfang.“

Andrei Sorokin, wissenschaftlicher Direktor des Russischen Staatsarchivs für sozialpolitische Geschichte (RGASPI) und Direktor des Bildungs- und Forschungszentrums „Neues Russland. Geschichte des postsowjetischen Russlands“ an der RGGU, präsentierte den österreichischen Gästen ein Buch zum Jubiläum des Vertrags, der den neutralen Status Österreichs dokumentierte. Es basiert auf Archivdokumenten aus dem RGASPI.

Ein weiteres zentrales Thema der Veranstaltung war der Schutz des historischen Gedächtnisses. Mit einer Grußrede wandte sich der Vorsitzende der Kommission russischer und österreichischer Historiker, Akademiemitglied Alexander Tschubarian, an die Teilnehmer. Er hob hervor, dass die Beziehungen zwischen Russland und Österreich aus historischer Sicht ein äußerst fruchtbares Thema darstellen. Besonders interessant sei das 20. Jahrhundert und die Nachkriegszeit, wobei die Frage des historischen Gedächtnisses oft zu intensiven Diskussionen führe. „Es gibt verschiedene Ansätze und sogar unterschiedliche Auffassungen vom historischen Gedächtnis. In der Welt konkurrieren immer zwei Tendenzen – die der Erinnerung und die des Vergessens. Es ist ein natürlicher Prozess des Generationenwechsels. Die Aufgabe der Geisteswissenschaften und der Wirtschaft besteht darin, die Gesellschaft an jene Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern, die nicht nur als Fakten von Bedeutung sind, sondern auch als Lehren für die Zukunft. In diesem Sinne ist der Rückgriff auf die Erfahrungen und Lehren der Zusammenarbeit zwischen Russland und Österreich heute besonders wichtig“, sagte Tschubarian.

In Fortsetzung der Diskussion berichtete Olga Pawlenko, Prorektorin für wissenschaftliche und projektbezogene Arbeit der RGGU, dass unter der Leitung von A. Tschubarian russische und österreichische Wissenschaftler gemeinsam viel zur Wahrung der historischen Wahrheit beigetragen hätten. Eine Schlüsselrolle spielten dabei Archivdokumente und -quellen. „Wenn Historiker ihr Handwerk auf Grundlage von Archivquellen ausüben und die Archive im wörtlichen Sinne zu sprechen beginnen, funktionieren keine ideologischen Instrumente mehr. Denn für uns ist das Wichtigste, die historische Wahrheit wiederherzustellen“, betonte O. Pawlenko.

Am Runden Tisch sprachen auch Vera Sabotkina, kommissarische Prorektorin für internationale Zusammenarbeit der RGGU, über die anhaltenden internationalen Kontakte der Universität sowie Maria Matweewa, Beraterin des Rektors und Direktorin des russisch-österreichischen Forums „Sotschi-Dialog“. Sie dankte Andrei Loginow und der RGGU für ihre Gastfreundschaft und betonte die Bedeutung der Veranstaltung für die weitere Entwicklung der bilateralen Beziehungen, insbesondere auf der Ebene der Zivilgesellschaft und der Jugend.

„Wir sind immer offen für Zusammenarbeit, die Qualität und Wärme unserer Beziehungen zeugen von der Besonderheit unseres Treffens. Es sollte keine bloße Formalität sein, sondern unser gegenseitiges Vertrauen, unseren Respekt und unsere Fürsorge füreinander auf eine neue Stufe heben. Dieser Ansatz wird uns, so denke ich, zum richtigen Ergebnis führen“, schloss Andrei Loginow die Veranstaltung ab.