Am 1. August 2024 endete in Kaliningrad die VII. Internationale Sommerschule, die dem Erbe von Immanuel Kant gewidmet war. Die Veranstaltung, die mit Unterstützung der Foren „Sotschi-Dialog“, „Petersburger Dialog“ und der Kantianischen Akademie organisiert wurde, brachte StudentInnen und ForscherInnen aus Russland, Weißrussland, Österreich, Spanien, Griechenland, der Türkei, Brasilien, Indien, Iran und Nigeria zusammen. Das diesjährige Thema – „Begeisterung und Geschichte aus der Perspektive Kants“ – war Ausgangspunkt für Diskussionen über die Rolle von Verstand, Emotionen und kritischem Denken in Zeiten globaler Herausforderungen.
Die feierliche Eröffnung der Schule begann mit einer Begrüßungsrede von Andrej Fursenko, Berater des Präsidenten der Russischen Föderation und Co-Vorsitzendem des Forums „Sotschi-Dialog“:
„Ich bin überzeugt, dass die Sommerschule, deren Eröffnung Sie heute miterleben, ein herausragendes Ereignis im wissenschaftlichen Leben unseres Landes sein und einen Beitrag zur Erforschung und Entwicklung des philosophischen Denkens leisten wird.“
Jana Vorozheina, Prorektorin der Immanuel-Kant-Universität, bemerkte:
„Im vergangenen Jahr fand an der Immanuel-Kant-Universität ein Kongress zum 300. Geburtstag des Philosophen statt. Leider konnten viele unserer ausländischen KollegInnen aus verschiedenen Gründen nicht daran teilnehmen: Bei einigen waren es objektive Gründe, bei anderen fehlte es an Mut. Sie haben diesen Mut – den Mut, Ihren eigenen Verstand zu benutzen, deshalb sind Sie echte Anhänger der Ideen Immanuel Kants.“
Die Schule bot ein reichhaltiges Programm: Vorträge über die Grundkonzepte von Kants Geschichtsphilosophie, die Rolle der Emotionen und das Phänomen der Begeisterung; Seminare mit lebhaften Diskussionen über den Zusammenhang zwischen Kants Ethik und Politik und Theologie; eine Jugendkonferenz, auf der die Teilnehmer Forschungsergebnisse zu wenig erforschten Aspekten des Erbes des Philosophen vorstellten, sowie Tutorien – informelle Diskussionen, die es ermöglichten, sich mit komplexen Themen auseinanderzusetzen.
Besonderes Interesse weckte eine Exkursion zu Orten, die mit Kant in Verbindung stehen: das Denkmal für den Philosophen, der Stadtteil Amalienau, die Insel und das nach ihm benannte Museum. Dies ist nicht nur eine Hommage, sondern auch ein Versuch, den Kontext, in dem seine Ideen entstanden sind, „nachzuempfinden”.
Der Teilnehmer aus Österreich, Fetah, bemerkte in einem Interview:
„Kant ist im Alltag sehr schwer zu verstehen, aber ich sehe, wie jeder Student sich bemüht, seinen Standpunkt zu teilen und ihn so verständlich wie möglich zu erklären. Die Möglichkeiten, die uns geboten werden, sind grenzenlos, denn alle bemühen sich, miteinander zu kommunizieren. Die Erfahrungen, die wir hier gesammelt haben, sind von unschätzbarem Wert.“
Seine Worte bestätigen das Hauptziel der Schule: einen Raum für kritisches Denken und interkulturellen Austausch zu schaffen. Selbst Unterschiede in Sprache und Traditionen hinderten die Studenten nicht daran, eine gemeinsame Sprache zu finden – im wörtlichen und im übertragenen Sinne.
An der Abschlussfeier nahm auch der Rektor der Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität teil, und die Teilnehmenden erhielten Diplome und eine neue Ausgabe der „Kant-Sammlung“.
Die VII. Sommerschule hat bewiesen: Kants Erbe bleibt eine lebendige intellektuelle Ressource. In einer Zeit, in der die Welt vor neuen Herausforderungen steht, sind seine Ideen – über Vernunft, Enthusiasmus und Zivilcourage – besonders aktuell. Und vor allem verbinden sie diejenigen, die bereit sind, mutig und unabhängig zu denken.
Link zum 7th Kant Summer School: Interviews