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Kultur
Das Forum „Sotschi-Dialog“ auf der non/fictio№: lebendige Geschichte und Geografie der Erinnerung

Das Forum „Sotschi-Dialog“ auf der non/fictio№: lebendige Geschichte und Geografie der Erinnerung

Vom 9. bis 12. April fand im Moskauer Gostiny Dvor die internationale Messe für intellektuelle Literatur non/fictio№FRÜHLING statt – ein einzigartiger Ort, an dem akademische Wissenschaft auf Populärkultur trifft.

Zusammenfassung

Vom 9. bis 12. April fand im Moskauer Gostiny Dvor die internationale Messe für intellektuelle Literatur non/fictio№FRÜHLING statt – ein einzigartiger Ort, an dem akademische Wissenschaft auf Populärkultur trifft. In diesem Jahr präsentierte das Forum „Sotschi-Dialog“ gemeinsam mit dem Verlag „Kuchkowo Pole Muzeon“ im Rahmen der Messe ein Programm, das der Bewahrung der historischen Wahrheit und neuen Formen der Erinnerungspolitik gewidmet war.

Zentrales Ereignis der Teilnahme des Forums war die offene Diskussion „Von Stalingrad nach Wien: Der Kampfweg der 4. Garde-Armee. Geografie der Erinnerung im Spiegel eines Buches“. Ausgangspunkt für das Gespräch war die Präsentation einer einzigartigen Publikation, die die stellvertretende Direktorin des Forums „Sotschi-Dialog“ und Moderatorin der Veranstaltung, Daria Kozlowa, als „literarisches Denkmal“ bezeichnete.

Dieses Buch wurde 1945 direkt in Wien von Frontsoldaten verfasst. Dank der Initiative von Walerij Bruntsew und der Arbeit des Verlags wurden mehr als 600 Archivillustrationen und Karten wieder in den wissenschaftlichen und öffentlichen Umlauf gebracht. In ihnen ist die authentische Geschichte der Armee festgehalten, geschrieben von den Kriegsveteranen selbst, was die Publikation zu einer unschätzbaren Quelle für das Verständnis des heldenhaften Weges des sowjetischen Soldaten von den Ufern der Wolga bis zur österreichischen Hauptstadt macht.

Im Rahmen der Diskussion erörterten die Expertinnen und Experten, wie sich die „Geografie der Erinnerung“ in Russland und Europa herausbildet und welche Bilder des Großen Vaterländischen Krieges heute über moderne Kommunikationskanäle vermittelt werden. Sergej Below, Dozent an der Fakultät für Politikwissenschaft der Lomonossow-Universität Moskau und Mitglied der Spielesektion des Schriftstellerverbandes der Russischen Föderation, legte den Schwerpunkt auf die Rolle der Medien und der Massenkultur bei der Prägung der Geschichtswahrnehmung. Zu einer zentralen Frage wurde der Schutz der historischen Wahrheit vor Fälschungen, auch in einem sich so dynamisch entwickelnden Bereich wie dem der Videospiele.

Parallel zu den digitalen Formaten wird die Arbeit zur Bewahrung der Erinnerung auch auf den Theaterbühnen fortgesetzt. Anna Chlopowa, Dozentin der Moskauer Staatlichen Linguistischen Universität, berichtete über ihre Erfahrungen bei der Inszenierung der Stücke „Das Nürnberger Urteil“ und „Stimmen des Sieges“, die auf gründlichen archivarischen und psycholinguistischen Forschungen basieren.

Heute ist Geschichte nicht mehr nur eine Ansammlung statischer Fakten aus dem Lehrbuch, sondern wird zu einer lebendigen Erfahrung und einem aktuellen Dialog zwischen den Generationen. Wir beginnen, die Vergangenheit durch interaktive Videospiel-Szenarien zu „erleben“, in denen die Entscheidungen der Teilnehmer die Tragweite historischer Ereignisse unterstreichen, sowie durch immersives Theater, das die Grenze zwischen Zuschauer und Epoche aufhebt.

Eine solche Synthese aus klassischer Wissenschaft und Massenkultur macht die Suche nach nationaler Identität zu einem spannenden Prozess, in dem die Bewahrung der historischen Wahrheit zum Schlüssel für das Verständnis der Zukunft wird. Für das Forum „Sotschi-Dialog“ hat die Teilnahme an der Messe non/fictio№ die Bedeutung von Literatur und Kunst als wichtige Instrumente der öffentlichen Diplomatie bestätigt.